Eine Reise geht bald zu Ende…

Was vermisst ihr am meisten?

Christof: Unsere Veranda, so gemütlich eingerichtet, mit Kaffee und einem Kopf voller, leichter umherschwirrender Gedanken, dazu zur Linken und zur Rechten Freunde die den Moment mit mir teilen….

Clarissa: Eigentlich nur sehr wenig, aber definitiv am Meisten vermisst man seine Freunde und seine Familie. Gemeinsam zusammen sitzen, etwas trinken, lachen. Man vermisst die Menschen, die einen Platz im Herzen haben am Allermeisten.

Ich habe mal leckeren Käse richtig vermisst, aber inzwischen habe ich mich schon daran gewöhnt, dass es keinen Käse gibt und zu Reis oder Meeresfrüchten passt Käse ja sowieso nicht. Aber ich bin froh, dass wir in der Raclette und Fondue Zeit wieder zurück in der Schweiz sind. Darauf freue ich mich! Oft wird ja auch nachgesagt, dass man das gute Brot vermissen wird. In Neuseeland fanden wir tatsächlich nur einmal eine gute Bäckerei aber überall sonst, muss ich sagen, es gab überall was Gutes oder Gesundes. Man muss es nur finden oder bewusst danach suchen und sich nicht mit dem vorgeschnittenen, in Plastik eingepackten, Panetone-ähnlichen, gesüsstem Toastbrotteigdings zufrieden geben. Hmmm wobei wenn ich so überlege… gebratener Fleischkäse mit Röschti oder ein leckeres Gordon-Bleue vermiss ich auch… mmmhhmmm…

Ich muss zugeben, ab und zu hab ich sogar meinen Computer vermisst. *shame* Aber ich finde es halt einfach schön, etwas zu designen und das hat mir manchmal echt gefehlt. Und Ideen wären soviele vorhanden.

 

Was vermisst ihr ganz und gar nicht?

Christof: Unzufriedene, sitzengebliebene und nörgelnde Mitbürger.

Clarissa: Den gesellschaftlichen Druck: Verheiratet sein, Kinder kriegen, stetige Weiterbildung oder alle Verpflichtungen die man sonst hat. Und das Gefühl des ‚Montags‘.

Was waren deine grössten Ängste vor der Reise, wie bist du damit umgegangen und welche haben sich bewahrheitet?

Christof: Eine Situation welche meiner Kontrolle zu entgleiten scheint in einem Land, in welchem ich weder lesen noch die Landessprache zu sprechen bzw. verstehen vermag. Ich glaubte an unsere Stärken und vertraute, dass wir uns in jeder Situation ergänzen und aufeinander verlassen können. Keine bisher… ich denke, wenn man sich wach, stark und flexibel gibt, meistert man 99.9 Prozent aller Situationen

Clarissa: Was, wenn der Koffer nicht ankommt? Was, wenn mir jemand etwas klaut? Was, wenn die Kamera kaputt geht? Was, wenn die EC- oder Kreditkarte gesperrt wird? Was, wenn dich jemand skimmt? Was, wenn jemand von uns krank oder gebissen wird? Was, wenn deine besten Freunde andere bessere Freunde finden? Was, wenn ich keinen neuen Job finde, wenn ich zurück komme? Was, wenn jemand aus der Familie schwer erkrankt oder stirbt? Was, wenn wir uns gegenseitig nicht mehr verstehen und getrennte Wege gehen? Um nicht von den Ängsten geleitet oder beeinträchtigt zu werden, wendete ich ein einfaches Beispiel an: nicht daran denken, was wäre wenn, sondern erst dann darüber nachdenken, wenn es soweit ist! So spart man sich einige Kraft! Und passiert ist zum Glück nie etwas.

 

Was würdest du an der Welt verändern oder willst du anderen Menschen mitteilen?

Christof: Gleiche (gute) Bildung für alle. Fairerer, respektvollerer Umgang untereinander Weltweit und gemeinsameres Denken und Handeln Grenzüberschreitend. Das Geld abschaffen (habe aber noch keine Alternative). Retten wir gemeinsam was noch zu retten ist – unser Planet wehrt sich gegen den Parasit.

Clarissa: Wir Schweizer sollten mal weniger an allem rumnörgeln und uns nicht immer über das Wetter und andere Mitmenschen beklagen sondern stolz auf unser Land und froh sein, darin zu leben. In Fiji, Vietnam und Indonesien leben die Menschen oftmals noch in Wellblechhäusern, sie sind arm, essen nur zu speziellen Anlässen Fleisch und Familie ist das Wichtigste. Sie arbeiten meist über 10 Stunden, machen aber mehr Pausen und lachen zusammen.

Vor allem wichtig finde ich die Plastikproblematik, wir müssen aufhören Plastik zu kaufen oder versuchen es zu umgehen. Ausserdem weniger und bewusster Fleischkonsum.

Mehr nach draussen gehen, mehr laufen/entdecken und in der Natur sein. Nicht so verkrampft und verstarrt in die Arbeit sein, das Leben auch bei und während der Arbeit geniessen und nicht alles so ernst nehmen, auch mal ausatmen. Darauf scheissen was andere denken oder sagen und einfach so leben, wie es für einen selbst richtig ist und stimmt. Ein guter, offener, liebevoller Mensch sein.

 

Hat dich die Reise verändert?

Christof: Was meinst du..? Hat sich mein Fokus mehr auf die Natur verschoben..? Wir werden sehen. Wir müssen handeln nicht nur denken und darüber reden!

Clarissa: Sie hat mich mutiger und offener gegenüber anderen Kulturen und Menschen gemacht. Auch Toiletten schrecken mich glaube ich nie mehr ab oder hässliche Hotelbetten.

 

Trifft man auf der Reise gerne andere Schweizer?

Christof: Ja auf jeden Fall. Es ist meistens die Masse, die es ausmacht bzw. unsymphatisch macht. Ich habe bislang fast ausschliesslich interessante Schweizer auf Reisen getroffen. Ob das ein Zufall ist…?

Clarissa: Kommt wahrscheinlich auf den Typ Mensch drauf an. Aber generell ja! Die ersten zwei Monate zwar nicht unbedingt, da ist man froh, weg von der Heimat zu sein. Aber nach ein paar Monaten hört und spricht man gerne wieder einmal Schweizerdeutsch. Es ist einfacher sich auszudrücken und Erlebtes wiederzugeben und wir haben ein paar sehr coole Schweizer kennengelernt!

 

Was war das für dich das eindrücklichste, dass du auf euere Reise erleben durftest?

Christof: Den Pazifik, Südpazifik das Meer ob, unter, links und rechts von mir…

Clarissa: Für mich persönlich war das der Mitternächtliche Schwumm durch das bioluminiszierende Plankton. Das war surreal, fantastisch und beeindruckend zugleich. Aber es gibt noch so viele andere eindrückliche Momente, die einen Platz in meinem Herz haben.

 

Wenn du jetzt nochmals einen Monat in ein Land das du besucht hast, reisen könntest, in welches würdest du gehen?

Christof: Fast in allen nun gemeinsam bereisten Ländern fehlt mir im Minimum ein Monat. Kann ich nicht auf ein Land beschränken, doch wenn ich jetzt in diesem Moment mich entscheiden müsste, würde ich wohl wieder die Klimatabelle zur Hilfe nehmen 😉

Clarissa: Ich habe mich in Neuseeland verliebt und würde da jederzeit wieder hin! Und nach Japan im Frühling, die Kirschblüten Saison muss wunderschön sein!

 

Was sind die nächsten Reise-Pläne?

Christof: Ufff zurück in die Schweiz 🙂

Clarissa: Erstmal zurück. Aber irgendwann eine längere Asien-Reise (Laos, Myanmar) mit dem Rucksack und Töff, einmal quer durch Südamerika mit dem Camper, eine Woche nach Island aber zuerst einmal das Matterhorn sehen und die längeste Hängebrücke der Schweiz. In allen Ländern sagten die Einheimischen stets: „Oh Switzerland, i love Switzerland it’s so a nice Country!“ Sie alle finden die Schweiz mega und die Traumdestination schlechthin! Somit sollte man die Schweiz als Land auch schätzen und bereisen!

 

Wie geht es dir beim Gedanken zurück zu gehen?

Clarissa: Ich bin hin und her gerissen. Ich hatte eine so wundervolle und schöne Zeit! Das Reisen mit Christof hat mir enorm Spass gemacht und bei meinem Sprachaufenthalt in Edinburgh habe ich soviele tolle Bekanntschaften gemacht und mein englisch enorm verbessert. Jetzt wäre ich bereit um die Welt nochmals neu zu entdecken – mit noch mehr Sprachwissen. Ich freue mich auf unser Zuhause, ich bin aber auch nervös. Die Jobsuche beschäftigt mich, auch ob ich meine Freunde noch habe. Viel geschrieben via SMS habe ich nicht, meist hatte man gar keine Zeit oder war mit dem Verarbeiten von Eindrücken so mit sich selbst beschäftigt, dass man es vergessen hat. Ich freue mich darauf, endlich meine Familie wieder zu sehen und zu umarmen und meine besten Freunde! Aber ich bin auch traurig, wieder nach Hause zu müssen. Ich liebe es jeden Tag etwas Neues zu entdecken, jeden Tag 10’000 Schritte zu laufen und jeden Tag etwas zu erleben. Ich liebe es! Ich werde es so sehr vermissen, denn ich werde immer am gleichen Ort sein und wenn ich wieder arbeiten werde, werde ich nur am Wochenende etwas erleben und entdecken können. Ich habe Angst vor dem Gefühl, dass ich in ein Loch fallen werde, dass ich das Reisen zu sehr vermissen werde. Ich habe Angst vor den Schweizer Bürgern um mich herum, die immernoch gleich stur und unzufrieden sind und über das Wetter oder andere Menschen lästern. Ich möchte in meinem Leben nicht mehr über andere Lästern. Jeder Mensch soll so leben wie er möchte – ich tue es schliesslich auch.

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