Fukuoka (Kyushu), Taifun Talim

Nun geht für uns unsere Zeit in Südkorea zu Ende. Wir haben uns vor unserem Jeju Trip bereits ein Fährenticket nach Fukuoka gelöst. Die letzten zwei Nächte in Busan verbrachten wir wieder im O’Happy Hotel in gewohnter Umgebung. Wir fühlten uns wohl und willkommen in diesem „ehemaligen“ Stunden-Motel. Wir durften die Waschmaschine kostenlos nutzen und den, von irgendjemanden liegengelassenen, englischen Korea-Reiseführer mit nach Jeju-do nehmen, sowie auch den Grossteil unseres Gepäcks für den Inseltrip zwischenlagern.
Morgens um halb acht an unserem Reisetag, bei meinem Frühstückskaffee in der „Lobby“, wies mich der freundliche Manager des Hotels darauf hin, dass ein Taifun auf dem Weg zur Japansee sei, welche wir ja heute überqueren wollten. Er setzte alles daran herauszufinden, ob denn die Fähren noch fahren würden oder, wegen der Warnung schon abgesagt sind. Herausgefunden hat er, dass alle Autofährenbetriebe bereits eingestellt worden seien, doch die Passagierschiffe noch auf ‚hold‘ sind und vorzu geschaut und neu bewertet wird. Ja heieiei…das sind Nachrichten..!! Damit haben wir nun gar nicht gerechnet obwohl wir im Vorfeld unserer Reise darüber gelesen haben, dass September/Oktober sehr wohl Taifunzeit in Japan sei. Nichts desto trotz, zurück im Zimmer berichtete ich Clarissa die Neuigkeit der sich uns stirnbietenden Situation. Mit einem Augenrollen und bekümmerter Miene (wahrscheinlich bereits vorausahnend, dass die See sehr wild sein wird) nahm Clarissa die News entgegen.

Mehrmals fragten wir nochmals den Stand der Dinge ab, bevor wir uns um die Mittagszeit zum Hafen aufmachten. Hilft ja nix, dachten wir uns, wir werden sehen. Die wissen schon was sie tun, sagte ich mir abermals. „Das ist wie beim Fliegen, du gibts die Kontrolle ab und der Rest ist Vertauen!“ versuchte ich Claire zu beruhigen, welche sich ziemliche Sorgen machte. Wir assen im modernen Ferry Terminal noch zu Mittag und machten uns auf um einzuchecken. Uns wurde gesagt, dass man es probieren werde, doch hängte dem umgehend an, dass
bei zu starken Winden oder zu hohen Wellen umgedreht werden würde.
Kein Problem wir sind bereit..!! Los gings dann in unserer „Beetle“ Fähre effektiv um 15:00 Uhr. Die Fahrt soll geschlagene drei Stunden dauern. Schon bereits beim Einsteigen im Hafen zeigte sich uns die See ziemlich rauh und die schwimmende Plattform schaukelte hin und her. Die Koffer verstaut, angeschnallt in unseren Sitzen warteten wir auf den Start. Clarissa schmiss sich noch eine Seekrankheitstablette ein und zog sich die Kaputze ihres Pullovers über die Augen.  Ich halt hier die Stellung..! Die Motoren starten, sie klingen sogar wie im Flugzeug! Wir nehmen Fahrt auf! Nun merke ich erst was passiert, in diesem Moment scheinen wir gegen den Himmel zu steigen, jedenfalls sieht es danach aus..! Jetzt erst sehe ich auf der Bordkarte, dass wir uns auf einer Hydro-Foil-Fähre befinden und die „Skier“ ausgefahren werden. Deswegen „hoben wir ab“!! Das Prinzip funktioniert so, dass mit Geschwindigkeit und diesen „Skiern“ der komplette Bug aus dem Wasser gehoben wird und somit wird Reibung verhindert wird, was wiederum in Geschwindigkeit resultiert. Wow…das fühlt sich super an, wir gleiten übers Meer!!! Hie und da schlagen trotzdem hohe Wellen an den Bug und es gibt einen ziemlich lauten Knall, doch verläuft meines Empfindens nach die Fahrt, den Umständen entsprechend, ruhig ab und wir ziehen durch! Hello Japan…Konitschiwaa!!

Nachtrag Clarissa: Das war das Schlimmste ever! Wirklich! Christof nahm es ziemlich locker, ich hingegen stand Todesängste aus! Ich hab nach dem Betreten des Bootes kein Wort mehr gesagt – so verkrampft und in Gedanken. Beim Einsteigen schaukelte alles wild hin und her und an Board wars noch Schlimmer. Kaum aus dem Hafen raus prellten riesige Wellen ans Schiff und ab und zu gabs richtige ‚Whaaams‘ und ‚Whumms‘. Wenn ich raus schaute waren die Wellen wirklich riesen hoch! Ich hatte echt Angst und ging alle möglichen Szenarien durch. Natürlich nur die Schlimmsten. Da ich zu Seasickness neige, habe ich viel darüber gelesen, wie man es am Besten verhindern kann. Genug essen vor der Reise – check, ausgeschlafen auf das Schiff – check, wenn möglich unten, hinten und in der Mitte des Schiffes sitzen – check, Augen schliessen – check. Wenns dann mal krachte und knackte und ich die Kaputze nach oben schob, sah ich nur riesige Wellen, kotzende Menschen (!!) und die Stewardessen (sagt man denen auf dem Boot auch so), die einen Plastiksack und Feuchttücher am Anderen brachten und einmal sogar den Boden putzten. Jedenfalls nein danke,… ich habe sogar zu Gott gebetet, dass die Reise schnellstmöglich endlich zu Ende ist und dass wir das überleben!! Schecklich!! Das Gemeine ist ja, dass ICH diese Überfahrt wollte! ‚Ist doch noch ne coole Idee von Korea nach Japan mit der Fähre‘ erinnerte ich mich zurück damals an die Diskussion an unserem Küchentisch in St. Gallen. Ja eh, mega cool – aber ohne Taifun!!!! Leck war ich froh als wir Japan sahen!!!

Fukuoka, Das westliche Eingangstor Japans

Am Fährhafen angekommen suchten wir die Information, um uns um Busse und Transportmöglichkeiten in Fukuoka zu kümmern. Einen Geldautomaten gibt es nicht und bei der Frage nach Money Exchange winkt sie, trotz dessen Ankündigung per Schild, charmant ab und sagt :“no yen sorry!“ Umso glücklicher sind wir um Tobias’s Geld-Geschenk bei unserer Abschiedsparty, welches uns den direkten Weg zu unserer Unterkunft sichert, ohne Umwege, es ist bereits 19:30 Uhr. Wir sollten Bus No. 55 oder 158 nehmen. Ok dann ist ja alles geregelt. Auf dem ersten Bus war leider keine Nummer ersichtlich. Müde von der Anreise entschliessen wir uns ohne mit dem Busfahrer zu sprechen ein Taxi zu nehmen. Zu fünft (drei Taxifahrer und wir), und mit zwei Smartphones kommunizierten wir einerseits den Bestimmungsort und andererseits den Preis. ‚Wie teuer ist es‘? fragt Google-Siri den Taxifahrer. Er lacht und gibt den Betrag im Taschenrechner ein. Nun denn los gehts nach bejaenden Lauten beider Seiten in die Innenstadt Fukuokas. Es gestaltete sich äusserst schwierig kurzfristig ein angemessenes Plätzchen zu finden. Die Preise sind im Vergleich mit Korea massiv höher und die Bedingungen (kleines Doppelbett, Raucherzimmer) ziemlich anders. So entschieden wir uns für die ersten zwei Nächte für eine kleine Studiowohnung mit separaten Einzelbetten und Improküche, da ja noch nächstens der Taifun eintreffen sollte. So hätten wir allenfalls die Möglichkeit für uns selber zu kochen, wenns denn Draussen übelst stürmt!

Unser Hotel: Trip Pod Minoshima

Die Ansagen gaben durch, dass „Talim“ von Süden frontal auf die Insel Kyushu, auf welcher wir uns befinden, Richtung Hiroshima und dann weiter Nordostwärts wirbeln wird. Da sind wir ja direkt betroffen, schoss uns durch die Köpfe, was sollen wir tun. Es bringt nichts verfrüht nach Süden weiterzuziehen, von da nähert sich der Taifun ja und nun schon weiter nordwärts in Hiroshima geht er voraussichtlich auch durch?! Blieb uns nichts anderes übrig als zu bleiben und abzuwarten.

Den folgenden Tag checkten wir immermal wieder im Netz, wo sich der Taifun aktuell befindet. Im Moment wirbelt er gerade unterhalb Jeju Richtung Okinawa (Inselgruppe südlich von Japan) durch, wo wir uns vor knapp einer Woche noch befanden. Tja so schnell kanns gehen oder auch drehen, dachten wir uns! Wir können ja nicht auf Erfahrung in Sachen Wirbelstürme zurückgreifen. Es heisst abwarten und Tee trinken.

Wir gingen raus, suchten uns einen Nudelsuppenladen und landeten in einer traditionellen Tempura’bar‘, wo man sich an den Tresen setzen konnte und aus einer japanisch geschriebener Karte sein Abendessen aussuchen konnte. Der Koch half uns mit zeigenden Gesten und der Auskunft ‚vegatable‘, ‚fishsoup‘ und ‚chicken‘. Wir entschieden uns für einmal Huhn und einmal Gemüse. Es war ganz lecker. Tempura steht für irgendetwas in einem Mehl/Ei Mantel frittiert. Bevor es dann nach Hause ging, suchten wir uns den nächsten SevenEleven, weil da darin am häufigsten die Geldautomaten stehen und deckten uns mit ‚cash‘ und Frühstück ein.

Kushida Schrein, Shofuku-Ji und Sumyjoshi Schrein

Den Tag darauf setzten wir ins Zeichen der japanischen Tempel bzw. Shinto Schreine und Parks. Vielleicht dachten wir ja es wäre eine gute Vorbereitung auf was noch kommen wird den Abend und den nächsten Tag. Das Wetter machte den ganzen Tag um den Regen rum, doch es war nicht so schlecht, dass man nicht rausgehen konnte. Wir liefen dem Fluss Naka entlang Richtung Tenjin dem Citycenter Fukuokas. Wir kommen an dem grössten Einkaufzentrum Fukuokas vorbei dem Canal City. In der Mitte dieses Palastes befindet sich wie eine Hauptplaza, auf welche man aus jedem der sechs Stockwerke hinabschauen kann. Eine Band spielt sich auf dem Platz ein und es ist gestuhlt im Hintergrund liegt ein Brunnenbecken. Wir hören kurz zu, dann zieht es uns weiter… am H&M vorbei… was ein H&M..?! Claire’s Augen begannen zu leuchten.. :)!… Ja ok, shoppen… ich möchte aber nicht,… treffen wir uns in einer halben Stunde wieder hier, genau hier ;)…! Ok, ich ging zurück zur Arena mit der Musik. Mittlerweile lief ‚Obla’di Obla’da..life goes on..‘ ab Konserve unterstützt von Wasserfontänen aus dem Brunnen… ha… ein herrlicher Anblick!

Im Anschluss besuchten wir der Kushida Schrein, den Shofuku-Ji Tempel und den Sumiyoshi Schrein in derselben Reihenfolge. Bei Ersterem handelt es sich um den meistbesuchten Schrein Fukuokas. Das Ritual vor betreten einer heiligen Stätte in Japan ist folgendes: vor der Anlage steht jeweils ein Becken, wie bei uns ein Brunnen in welchen immerwehrend frisches Wasser läuft. Oberhalb oder seitlich liegen entweder Ellenlange Bambus- oder Messinglöffel. Man füllt sich den Löffel mit Wasser giesst zuerst Waaser über die linke Hand danach über die rechte Hand und zum Schluss nimmt man einen Schluck aus dem Löffel um sich auch den Mund auszuwaschen. Mit dem restlichen Wasser im Löffel reinigt man diesen wieder und legt ihn hin. Das Wasser ist trinkbar wird aber manchmal auch ausgespuckt. Somit ist man gereinigt und bereit für die heilige Stätte. Zu unserem erstaunen wurde in dem Tempel gerade geheiratet, was auch wunderschön, wie der gesamte Tempel im übrigen, anzuschauen war. An einem unaufälligen Stand kann man sich kleine Glücksbringer wie auch ca. 5 auf 10 cm Holztäfelchen kaufen, um diese dann mit persönlichen Wünschen versehen an einen dafür ausgewählten Ort in der Anlage aufzuhängen.

Der Shofuku-Ji Garten ist ein kleiner Park an einem nicht öffentlichen Tempel. Speziell an dieser Anlage ist, dass es der erste und älteste Tempel im Zen Stil Japans ist. Es befinden sich etliche Katzen im Park und dösen oder streunen vor sich hin, als würde sie die speziell gemittete Aura des Parkes magisch anziehen.
Die letzte kulturelle Station für uns heute, wie oben schon erwähnt ist der Sumiyoshi Schrein. Durch eine lange und breite Allee gelangen wir erst an „den Reinigungsbrunnen“ und dann durchs mächtige Eingangstor in die Tempelanlage. Für unsere westlichen Sinn bzw. Auffassung gleichen sich diese Tempel alle sehr, so scheint es uns. Ich beobachte zwei Japaner wie sie ihre Gebete vollziehen. Sie werfen eine Münze in eine Holztruhe vor den Statuen, unter dem mächtigen japanischen „Pavillon“, verneigen sich zweimal mit den Händen vor der Brust aneinander gedückt, klatschen danach zweimal, verneigen sich nochmals zweimal und verrichten dann mit geschlossenen Augen ihre Gebete oder bringen Wünsche an. Zum Abschluss wird an einem massiven Seil gezogen an jener oben eine enorme Schelle montiert ist. Ich mache es ihnen nach und bete zu Mutter Erde sie solle die Menschen auf Japan vor dem kommenden Wirbelsturm beschützen.

Irgendwie warteten und warteten wir bis der grosse Wind kommt. Am folgenden Tag mussten wir, da schon die nächsten Besucher für unser gebuchtes Studiozimmer in der Warteschlaufe anstanden, unser Domizil wechseln. Es goss wie aus Eimern, wahrscheinlich die Ausläufer Talim’s. Eine Frau kam auf uns zu ‚Taifun is coming‘ meint sie.

Den ganzen Tag verbrachten wir, ein wenig gehemmt (immer noch Wirbelsturmtechnisch), nahe unseres neuen Hotels (Hotel Forza). Wir wagten uns, um die Zeit zwischen Check-Out und erneutem Check-In, ins nahegelegene Folk Museum. Dort angekommen, heftete ein laminierter Zettel am Eingangstor worauf geschrieben stand „Wegen des kommenden Wirbelsturms geschlossen“! Ach dann ist er doch noch nich vorbei, dachten wir uns! :“Dann setzen wir uns in ein Café und essen erstmal was zu Mittag!“ sagten wir uns. Im Hotel eingecheckt und wieder mit dem www verbunden stöberten wir nach der Positon von Talim. Er schien sich schon weiter östlich von uns vorbeigeschoben zu haben und lauert nun vor Hiroshima. Phu..! Dann war es das also für uns, glücklicherweise kriegte Fukuoka nur die Ausläufer mit ziemlich starkem Wind und Regen ab, auch was wir sonst so mitbekommen haben sind sich die Japaner einiges gewohnt und sind auf diese Extremsituationen bestens vorbereitet (Fundamentbauweise, Frühwarnsystem und unterirdische Flutbecken bei massivem Regen). Talim ist bereits Wirbelsturm No.18 dieser Saison.

Abends machten wir uns auf die Suche nach einem Resaurant spezialisiert auf Ramen. Diese typisch japanischen Nudelsuppen seien hier in Fukuoka besonders lecker! Das Suchen ohne im web zustöbern, gestaltet sich jeweils ziemlich schwierig, da man halt mit lesen nicht wirklich weiter kommt hier in Japan. So lassen wir und von unseren Augen und innerer Intuition leiten, sind wir bis anhin so doch ziemlich erfolgreich gefahren. In den Laden reingeschaut, ein paar Suppentöpfe rumstehen sehen und schon sassen wir an der Theke, wobei unsere Beine aber irrgendwie im Boden zu verschwinden schienen. Die zwei quirlig wirbelnden Frauen riefen sich immer wieder was zu und wir bestellten einfach mal etwas, das nach Suppe aussah. Erst beim zweiten Blick sah ich, dass die Suppe wohl aus ca.60 Prozent Grünzeug und der Rest aus Innereien bzw. Kutteln bestand und entschied mich dies vorerst für mich zu behalten, um unvoreingenommen Clarissa’s Reaktion auf das Essen zu sehen (ok..mancheiner wird jetzt sagen arschig, doch bestellt war bestellt und ich musste da ja auch durch). Es war super lecker und echt auch ein Erlebnis. Wir bekamen einen Topf voll mit Lauch, Kutteln und Sojasaucen-Bouillon vor uns auf die Herdplatte gestellt, kochten diesen auf und genossen die Suppe! Es war fabelhaft! Schlussendlich bezahlten wir umgerechnet ca. 60 Chf inkl. zwei Bier und zwei Souchu, was uns ziemlich teuer schien, doch waren glücklich und wohlgenährt!

Hier die Webseite des Restaurants: http://rakutenti.jp

Auf Holz klopfen…wir haben einen Wirbelsturm und eine Eingeweidensuppe überlebt!! Hört hört..;)!!

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